Traditionelles Segelboot des Kurischen Haffs, Kurenkahn „Dreverna“

Vermaak

Die für den Personentransport bestimmten Segelboote des Kurischen Haffs, Der Kurenkahn auch Haffkahn genannt, unterscheidet sich von den gewöhnlichen Booten durch eine bessere Seegängigkeit. Diese Boote wurden aus Eiche gebaut und mit Gaffeltakelung versehen.  Die solide Konstruktion des Bootskörpers und die bessere Seegängigkeit erlaubten es, auch stürmische Haffs (das Kurische oder das Frische) zu befahren, wobei der flache Boden  wegen der geringen Tiefe von Flüssen und Kanälen ideal für deren Befahren war, sodass die Kähne eine große Reichweite hatten. Aus typologischer Sicht werden diese Boote als Kurische Haffkähne mit flachem Boden bezeichnet.  W. Thiel meint, dass die für Personentransport genutzten flachbödigen Boote von den Städtern und Beamten als Kurischer Reisekahn bezeichnet wurden.  Der bekannte Marinehistoriker S. Fornaçon vertritt die Ansicht, dass diese Bezeichnung daher entstanden sei, dass mit diesen Booten auch Passagiere befördert wurden.  Er sieht den Ursprung dieses Bootstyps in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Wie viele andere Begriffe aus der Seefahrt hat auch dieser Bootstyp keinen echten litauischen Namen, weswegen das deutsche „Reise“ übernommen wurde.

1751 gab es im Amt Rusne schon 43 solcher Boote. Die Bewohner der Fischerdörfer bauten solche Boote, um Getreide und Waren von und nach Memel und Tilsit zu transportieren. 1823 hatten die Schiffer in Memel 7 solcher Reisekähne. 1874 gab es in Ostpreußen etwa 600 Boote von diesem Typ. Diese Boote transportierten Baumaterial, Salz, Getreide und andere Frachten auf dem Nemunas, dem Pregel, dem Kurischen Haff, dem Frischen Haff und erreichten die Weichsel und Danzig. Der Ingenieur Werner Jäger hat alles verfügbare Material zum Reisekahn „Maria“ und anderen Booten des Typs zusammengetragen und im Buch „Der kurische Reisekahn MARIA“, das 1995 nach seinem Tod erschien, veröffentlicht. Dieses Buch half den Bootsbauern sehr dabei, den Segelkahn in Dreverna nachzubauen wollten und ihn für die Fahrt auf dem Kurischen Haff flott zu machen.

Die Länge der „Dreverna“ liegt bei 18,08 m, die Breite bei 4,00 m. Das Projekt selbst stammte vom Tourismusinformationszentrum des Landkreises Klaipeda. Erbauer und Kapitän des Bootes ist Vaidotas Bliudzius.

Das traditionelle Segelboot, der Kurenkahn „Dreverna“ wird auf dem Exkursionsprogramm „FISCHROUTE“ eingesetzt.

Zudem kann das Boot für Bootsfahrten auf dem Kurischen Haff gemietet werden (für Gruppen bis 30 Personen).

Ansprechpartner:
Leiterin der Jonas-Gizas-Filiale Gintare Atkociune (+370 46 476301, +370 648 23198, gizo.sodyba@klaipedosrajonas.lt).

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